Ideen, die bewegen

Die Initiative zur Gründung des Vereins ging von russlanddeutschen Frauen aus, die sich in unterschiedlichen Vereinen und Verbänden der Russlanddeutschen in ganz NRW engagieren.

Jede einzelne Biographie dieser Frauen ist mit einer Kernkompetenz und Erfahrung in der Arbeit mit Spätaussiedlern verbunden.

Als unseren vorrangigen Auftrag verstehen wir die sprachliche, berufliche und gesellschaftliche Integration der Russlanddeutschen in NRW.

Durch innovative Ideen möchten wir insbesondere Frauen befähigen sich als selbstbestimmte Persönlichkeit zu entwickeln und am wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Leben verantwortlich mitzuwirken und damit ihre Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe wahrzunehmen.

DENKANSTÖSSE


Als ein Verein, der sich um die Belange der Russlanddeutschen kümmert äußern wir uns als überethnisches, parteiübergreifendes Netzwerk der Frauen zu Fragen der Integration/Migration/Gesellschaftspolitik. Mit unseren grundsätzlichen Denkanstößen auf dieser Seite wollen wir uns an der Meinungsbildung beteiligen und unsere Perspektiven der Öffentlichkeit näher bringen.


Auszüge aus dem Manifest der "Brückenbauer für Deutschland" übertragen auf die Russlanddeutschen

Deutschland hat in den letzten Jahren wichtige Fortschritte in der Integrationspolitik erzielt. Sei es der gesellschaftliche Konsens, ein Einwanderungsland zu sein, die Akzeptanz der Zuwanderer und Zuwanderinnen als Dialogpartner oder die Einsicht, dass unsere Gesellschaft nur dann funktioniert, wenn das Nebeneinander durch ein Miteinander ersetzt wird. Doch bedeutet die Erkenntnis nichts, wenn daraus keine Handlungen abgeleitet werden und die Forschritte nur symbolischen Charakter haben.

Viele Russlanddeutsche haben bereits heute ihren Platz in der Gesellschaft gefunden, sind erfolgreich und tragen mit ihren Fähigkeiten und Leistungen zum Wohlstand des Landes bei. Dessen ungeachtet gibt es weiterhin Probleme bei den Integrationsbemühungen aller Seiten. Ungenügende Deutschkenntnisse, unzureichende Bildung, mangelnde Ausbildungsmöglichkeiten, aber auch teilweise Unverständnis bei den Grundregeln des gesellschaftlichen Miteinanders sind Bürden für uns alle.

Es ist Zeit für ein neues Miteinander, das auf Chancengleichheit gründet. Es ist Zeit, dass allen Menschen in Deutschland die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht wird. Dies bedeutet Anstrengungen für die Aufnahmegesellschaft wie für die Zugewanderten. Für das Zusammenwachsen unserer Gemeinschaft braucht es mehr politische Anstrengungen. Wir wollen mit diesem Manifest den Integrationsprozess in Deutschland mitgestalten und sehen deshalb Handlungsbedarf in folgenden Bereichen:

1. Politische Partizipation

Die politische Landschaft in Deutschland spiegelt nur unzureichend die Vielfalt der Bevölkerung wider. Mangelnde Motivation der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und die Nachwuchsförderung nach ethnischen Gesichtspunkten der Mehrheitsgesellschaft sind zwei von vielen Ursachen. Wir brauchen speziell in diesem Bereich mehr Vorbilder mit Migrationshintergrund, die aktiv die politische Meinung mitgestalten. Um einen Anfang zu setzen, sind wir für die Einführung von Quoten in politischen Gremien und auf Listenplätzen der Parteien. Das setzt ein Umdenken voraus, was die bestehenden Machtstrukturen in den entsprechenden Institutionen und Organisationen betrifft.

Migrantenselbstorganisationen leisten seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag für erfolgreiche Integrationsarbeit in den Kommunen. Für uns ist es unverständlich, warum dieses vorhandene Potential nicht gefördert und ausgebaut wird. Migrantenselbstorganisationen müssen mit Professionalisierungsangeboten unterstützt werden. Dies kann manche Probleme bei der Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben lösen.

2. Konsequente Anti-Diskriminierungspolitik

Russlanddeutsche fühlen sich im Alltag durch Vorurteile in der Mehrheitsgesellschaft oftmals diskriminiert. Um Vorurteile abzubauen bedarf es einer positiveren Darstellung und höheren Sichtbarkeit von Russlanddeutschen in den Medien fernab von stereotypischen Rollen. Die mangelnde Erkenntnis der Entscheider in den Medienanstalten und Redaktionen stellt hier ein Hindernis dar, das überwunden werden muss.

3. Gute Bildung – auch bei Russlanddeutschen

Integration betrifft alle Lebensbereiche: Sprache, Erziehung, Bildung, Ausbildung und Arbeit. Das Erlernen der deutschen Sprache ist ein Schlüssel zu erfolgreichen Bildungsbiografien. Jedes Kind, das in die Schule kommt, soll die deutsche Sprache beherrschen. Die Kindergärten sollen für die Sprachförderung zentrale Orte frühkindlicher Bildung werden. Hier benötigen wir höher qualifiziertes und interkulturell geschultes Personal. Eine tragende Rolle beim Spracherwerb der Kinder spielen deren Eltern. Deshalb benötigen wir ein flächendeckendes und kostenloses Angebot an Elternsprachbildung.

Die frühe Selektion im Schulsystem führt zu Benachteiligungen. Nicht selten erreichen Russlanddeutsche aus sozial schwachen Familien deshalb nur niedrige Schulabschlüsse und können dann keine weiterführenden Abschlüsse erwerben. Wir müssen hier komplett umdenken. Kleine Änderungen am bestehenden System können nur kurzfristige Verbesserungen bringen, ein Systemwandel ist nötig. Wir brauchen individuelle Förderung in einer gemeinsamen Schulform. Vermeintliche Leistungsunterschiede können durch Binnendifferenzierung und nicht durch starre Selektion behoben werden.

4. Teilhabe an Ausbildung und Beruf

Viele Russlanddeutsche sind qualifiziert, ihr Potenzial wird aber verschenkt. Eine der Ursachen ist die Nichtanerkennung von Abschlüssen von Schule, Beruf und Universitäten aus den Herkunftsländern und die Tatsache, dass bei der Einstellung von Bewerberinnen und Bewerbern häufig die Herkunft den größeren Ausschlag gibt als die Qualifikation. Eine Vereinheitlichung der Anerkennungsverfahren kann zur Lösung dieses Problems beitragen. Dies muss trotz eventueller Schwierigkeiten mit Berufsverbänden und Kammern oder der föderalistischen Strukturen der Bundesrepublik Deutschland umgesetzt werden.

5. Förderung von schutzbedürftigen Russlanddeutschen

Eine besondere Aufmerksamkeit soll den Belangen von Russlanddeutschen gewidmet werden, die durch körperliche und geistige Beeinträchtigung doppelt benachteiligt sind. Angehörige sowie Betroffene erfahren seitens der Mehrheitsgesellschaft oft nur eine mangelnde Sensibilität. Hier könnten Förderprogramme für migrantengerechte Angebote Abhilfe schaffen. Bei der Umsetzung sollten primär Träger miteinbezogen werden, die selbst von Menschen mit Migrationshintergrund geführt werden. Zu den wichtigsten Aspekten dieser Förderung zählt nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern vielmehr die berufliche Weiterbildung, Qualitätsmanagement und die öffentliche Anerkennung.

6. Zuwanderung gestalten

Trotz der langsam wachsenden Erkenntnis in Teilen der Politik, dass Deutschland mehr Zuwanderung benötigt, gibt es immer noch keine gezielte Steuerung von Zuwanderung, wie sie z.B. vor Jahren bereits von der Zuwanderungskommission vorgeschlagen wurde. Zuwanderung ist für Deutschland nicht nur aufgrund humanitärer Erfordernisse sondern auch im eigenen Interesse von Bedeutung. Mehr gemeinsame Anstrengungen in der Politik sind notwendig, um hier für mehr Einsicht in der Bevölkerung zu werben. Wir brauchen ein modernes Zuwanderungsgesetz, das gleichermaßen humanitäre Gründe für Zuwanderung wie auch die Herausforderung des demografischen Wandels berücksichtigt.

Wir haben noch einen langen Weg bis wir gemeinsam die Gleichstellung aller Menschen in Deutschland erreicht haben. Die Mehrheitsgesellschaft muss viel offener und toleranter werden und beherzter gegen Diskriminierung vorgehen. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sind aufgefordert, sich aktiv und vorurteilsfrei an der Mitgestaltung der Gesellschaft zu beteiligen. Erst wenn sich jede oder jeder aktiv nicht nur für die eigenen Belange einsetzt, ist er oder sie in der Gesellschaft angekommen.

Wir alle sind gefordert, unser Land voranzubringen. Es geht um die Gesellschaft, in der wir alle leben! Es geht um unsere gemeinsame Zukunft!

„Drei Vorstandsmitglied (Eleonora Faust) des Vereins FORUM DIALOG Ru.DE hat an dem Nachwuchsförderprogramm für Migrantenselbstorganisationen der Bertelsmann-Stiftung teilgenommen und gehören somit zum Forum der Brückenbauer, das von den Teilnehmern des Nachwuchsförderprogramms ins Leben gerufen wurde. Die Teilnehmern des Forums Brückenbauer haben ein Manifest der „Brückenbauer für Deutschland“ einwickelt. Verein FORUM DIALOG der Russlanddeutschen Frauen in NRW identifiziert sich mit einigen Punkten des Manifestes, die Sie oben entnehmen können.“